Vintage-Kamera: Nikon EM

Nikons "Low Budget" - Modell für die Masse.

Nikon EM mit 50mm 1.8 E-Series

Die Nikon EM

"Nikon Kamera mit Objektiv, 15 Euro, Tel: nnn" - so stand es in der Regionalzeitung. Kurze Zeit später besaß ich eine Nikon EM mit einem Nikon 50mm 1.8 E-Series.

Den ersten Funktionstest unter erschwerten Corona-Bedingungen im Dunkeln an der Haustür des Verkäufers bestand sie klaglos, also ging ich später mit positivem Gefühl daran, die Kamera von ihrer originalen aber abgerockten Kameratasche zu befreien und sie mir genauer anzusehen.

  • Die Kamera war etwas staubig, ansonsten aber ohne Beschädigungen.
  • Der Belichtungsmesser funktionierte nicht, weil angeblich keine Batterien eingelegt waren. Es waren aber welche drin - sie waren nur zu flach! Zwei LR 44 in das saubere Batteriefach gelegt und schon wurde auch die Belichtung gemessen.
  • Zeiten verglichen mit der Digitalen, sah gut aus. Ausgelöst bei 1/60s, hörte sich gut an und sah auch gut aus.
  • Den Linsen im Objektiv sieht man das Alter leider an, es wirkt innen schmutzig/staubig, immerhin kein Pilz. Ein Testfoto an der D500 (an der D90 funktioniert die Linse nicht) war aber erstaunlich gut, scharf, Farben o.k., das ließ hoffen.
  • Der Fokus-Gummiring des Objektivs hat irgendwann das Weite gesucht. Ohne Ring ist die manuelle Fokussierung sehr schwierig. Im Internet habe ich einen runden Dichtungsring gefunden, der Platz und Funktion blendend ausfüllt.
  • Wie bei (fast) allen alten Kameras sehen die Lichtdichtungen und der Spiegeldämpfer nicht mehr gut aus und sollten irgendwann ersetzt werden.

Kann meine Erwartung nach der anfänglichen Begeisterung erfüllt werden? Werden die Testfotos halten, was der Name Nikon verspricht?

Ein trüber Dezember ist zum Testen einer analogen Kamera nicht erste Wahl. Daher musste die Kamera mit dem höher empfindlichen Ilford HP5 Plus (ISO 400) geladen werden, bevor es auf die Runde ging.

Kamera und Technik

Die Nikon EM wurde 1979 von Nikon als "Low-Budget-Camera" herausgebracht. Ein vollautomatisches Volumensmodell mit Zeitautomatik für die Masse und einem Verkaufspreis von nur knapp 350 DM - für meine erste Spiegelreflexkamera, die qualitativ weit darunter angesiedelte Revue SC2, habe ich 1980 bereits 299 DM bezahlt. Eingespart hat Nikon durch (hochwertiges) Plastik an Gehäuse und Objektiv und Verzicht auf Profi-Funktionen wie z.B. eine Arbeitsblende, Belichtungskorrektur oder manuelle Belichtungseinstellungen.

Sie sollte die erste Spiegelreflex für den Aufsteiger von der Sucherkamera sein, der auch mal ein Objektiv wechseln möchte und bei einfacher Bedienung kreativer sein wollte. Auch preislich passende Objektive hat Nikon unter dem Namen "Series E" neu entwickelt. Durch Einsatz von Plastikteilen waren sie leichter, kleiner, einfacher und nur halb so teuer wie die bisherigen Profiobjektive, die Abbildungsqualität war aber vergleichbar.

Die Fachpresse und die gestandenen Nikonfotografen mochten weder die neue Marketingstrategie von Nikon noch die Kamera und erst recht nicht die Objektive. Sie wurden -ohne Rücksicht auf die tatsächliche Qualität- herabgewürdigt. Heute haben wir uns längst daran gewöhnt, dass Kameras und Objektive zu einem großen Teil aus Kunststoff bestehen, die Objektive der E-Serie sind auch heute noch erstklassige Partner für MF-Nikonkameras.

"Konzentriere Dich auf das Motiv, vergiss die Technik!"

Die Bedienung ist der Zielgruppe entsprechend sehr einfach. Verglichen mit der Revue SC2 liegt die Nikon EM besser und wertiger in der Hand, der mit einem Gelenk ausgestattete Schnellspannhebel wirkt robust, auch wenn es mal schnell geht. Der Sucher ist hell, Schärfe einstellen problemlos möglich. Blende am Objektiv wählen, Belichtungszeit wird automatisch vorgegeben, bei Überschreitung (kürzer als 1/1000s) oder Unterschreitung (länger als 1/30s) erscheint sogar ein Piepton.

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Fazit

Meine anfänglichen Bedenken waren schnell zertreut, als ich die entwickelten Negative sah. Ordentliche Schärfe und Kontrast. Der zweite Rundgang mit Falschfarbenfilm sagt auch nicht über die Farbtreue der Linse, folgt noch. Die Kamera ist sehr einfach zu bedienen, die Ergebnisse sind erstaunlich gut.
Es macht Spaß mit der 'einfachen' Nikon EM loszuziehen und einfach nur der Kreativität Raum zu lassen und Fotos zu machen.


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