Digitalisierung von Negativen

Man ist von der Digitalfotografie so verwöhnt ...


Der PC und der Monitor sind heute für einen Fotografen unverzichtbare Werkzeuge geworden, die Vorteile daraus will man auch bei der analogen Fotografie nicht missen. Kleine Fehler korrigieren, das Optimale aus den Fotos herausholen, die tollen analogen Fotos im Internet zeigen und natürlich die einfache, elektronische Archivierung - Argumente für die Digitalisierung.

Erste Versuche habe ich mit einem geliehenen reflecta ProScan 4000 (siehe Spalte rechts) gemacht, ordentliche Resultate, sehr langer Scanvorgang. Teilweise waren die Farbnegative durch die Grundfärbung des Filmstreifens schwer umzuwandeln. Der ungleich teurere Dia- und Negativscanner von Nikon scheint das besser zu können. Eine Marktübersicht bekommt man bei filmscanner.de.

Für meine ersten s/w-Negative aus den Oldtimerkameras reichte mir zunächst der Profi-Scan vom Fotohändler mit 5,8 Megapixeln aus. Die Bildqualität schwankte stark (Kontrast, Belichtung), dazu waren einige Negative hinterher nicht mehr fehlerfrei. Irgendwann sollten auch die farbigen Schätzchen digitalisiert werden, daher musste ich auf die Suche nach einer Alternative gehen.

Also ging ich auf die virtuelle Pirsch und fand u.a.

Es gibt auch allerlei technische Hilfsmittel, wie

Die Vorsätze stammen noch aus den uralten Zeiten, in denen man Dias kopiert hat. Sie sind für Vollformat gerechnet und haben bei meinen DX-Kameras (D90, D500) den Nachteil, dass mit normalen Objektiven keine 100-%-Abbildung der Negative erreicht werden kann, der Abstand ist zu kurz.

Der Nikon Digitalisierungsvorsatz für Dias und Negative "ES-2" soll gute Ergebnisse liefern. Er ist mit ca. 160 Euro ziemlich teuer. Dazu benötigt man für DX das 60mm Mikro-Nikkor, ein Objektiv, das ich wirklich sonst nicht brauche.

Der Dia-Digitalisierer von DigiLightBox wäre auch eine Lösung. Ebenfalls nicht billig und umständliches Handling des Negativwechsels. Nach einigen Experimenten und Weitersuchen fand ich die Bauanleitung für den

DIY Shoebox Negative Film Scanner


Mein DIY - Negativscanner

Die erste Ausbaustufe habe ich wie in der Anleitung gebaut, den Schuhkarton nur zur Aufnahme der Lichtquelle (ferngesteuertes Blitzgerät) genutzt, das Negativ davor.
Nachteile sind Probleme mit gleichmäßiger Ausleuchtung des Negativs und Streulicht zwischen Frontlinse und Negativ.

Schuhkarton-Negativ-Scanner

Um die Nachteile zu beheben, habe ich den Karton umgedreht und erheblich verkleinert. Das Objektiv guckt jetzt in die Box, kein Streulicht. Zur Beleuchtung setze ich die Somikon LED-Leuchte ein, als Diffusor dient eine opale Scheibe (vom Glaser für 4 Euro) auf selbstgebautem Sockel.

Diese zweite Ausbaustufe sieht dann so aus und funktioniert prächtig.

DIY Negavit-Scanner DIY Negavit-Scanner DIY Negavit-Scanner

Der Karton war mal ein sehr stabiler Schuhkarton. An der hinteren Seite ist ein Loch, vor das ich den Dia-/Negativhalter eines älteren Hama-Diabetrachters mit Schrauben exakt gerade angebaut habe. Damit der Negativstreifen nicht wackelt, sind rechts und links davon kleine Führungen angebracht.
Die Vorderseite ist exakt mittig ausgeschnitten in der erforderlichen Größe für mein Makro-Objektiv von Tamron. Die Schnittkanten habe ich mit Isolierband abgeklebt, staubt nicht und sieht auch besser aus.

Kamera- und Blitzeinstellungen:
RAW, Kamera auf Stativ, Tamron 90mm Makro, VR aus, ISO 100, WB 5.000K, Fernauslöser, Blende 7.1 bis 8, etwas unterbelichten, Sucher schließen, Live-View, AF-Messung bei jedem Negativ neu. Kamera sollte so parallel wie möglich zur Filmfläche ausgerichtet werden.
Bei Farbnegativen Filterung mittels eines Farbkorrekturfilters KB12 (blau). Oberes Foto ohne, unteres Foto mit KB12 gescannt - der Rot-Orange-Stich des Filmstreifens ist bereits weitgehend neutralisiert und gibt der EBV mehr Spielraum beim WB.

Rohscan ohne KB12 Rohscan mit KB12

Das ganze Konstrukt wird am Schreibtisch fixiert (Schraubzwinge und Brettchen), damit es nicht verrutscht und der Fokus der Kamera sich nicht verändert.

Mit diesem abfotografierten Negativ geht es jetzt in die EBV.


Bearbeitung der gescannten Negative

Aufruf des Negativs in Lightroom und Umkehrung der Gradationskurve (links hoch, rechts runter - Achtung: damit werden auch die Regler schwarz und weiß vertauscht! Daran muss man sich gewöhnen). Damit sieht das schon etwas besser aus.

Scan nach Gradationsumkehr

Nach Weißabgleich (Pipette ca. auf Neutralgrau im Foto), Ausschneiden des Fotos und Anpassung der Endpunkte der Gradationskurve (links und rechts je nach innen schieben, Kontrolle der Lichter und Tiefen auf Monitor) sieht es dann so aus:

Scan nach grober Bearbeitung

Jetzt kommt noch etwas Feinschliff, Lichter, Schatten, Kontrast, etwas mehr Klarheit und Dynamik, Rauschen raus, Schärfe rein. Dann noch in PSE die Fehler wegpinseln.

Scan nach vollständiger Bearbeitung

Das Foto lässt sich durch Anklicken vergrößern.

Sieht doch gut aus, oder? Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis.

Ich habe mir selbst auferlegt, die digitalen Negative nur ganz zart anzupassen, um den Analogcharakter zu erhalten. Es ist zwar viel Arbeit, aber für solch alte Schätzchen (das Foto wurde m.E. mit der Minolta Dynax 5xi gemacht) kann und sollte man das machen.

Für s/w-Negative gilt das obige entsprechend, wobei der Weißabgleich entfällt und ich in LR sämtliche Farbanteile durch Umwandlung in s/w entferne.

 


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