Vintage-Kamera: Revue AC4 SP

Bei Foto-Quelle war diese Revue Spiegelreflex 1985 das Toppmodell.

Revue AC4 SP mit Auto-Revuenon 50mm 1:1.7

Die Revue AC4 SP

Unterschätzt die Revue-Kameras nicht!

Weil mir die Pentax MG zu automatisch war, habe ich die Suche nach einem weiteren SLR-Body mit PK-Anschluss nicht aufgegeben. Er sollte qualitativ höher angesiedelt sein als meine Revueflex SC2, eine große Revue wäre nicht schlecht. Und wieder war es der Zufall und eine Anzeige in einem Bremer Onlineportal, die mich zu meiner Revue AC4 SP brachten.

Sie gehörte einem älteren Herrn, der die Kamera und auch alles Zubehör Mitte der 1980er Jahre für viele, viele DMs neu gekauft hatte. Sie wurde geliebt, ordentlich behandelt aber auch richtig benutzt, was man ihr auch ansehen darf. Die aufgedruckte Schrift ist (wie bei meiner SC2) genau an der Stelle, wo die Finger die Kamera halten, abgewetzt. Das ist eine Fehlkonstruktion, aber nur ein Schönheitsfehler. Sie muss auch mal heruntergefallen sein, das Leben kann auch hart sein zu einer Kamera, eine Revue ist dafür aber gebaut.

Zusammen mit der Kamera wurden das bessere Normalobjektiv Auto Revuenon 1:1,7 50mm, das Auto Revuenon 1:4 28-70mm, das Auto Revuenon 1:4,5-5,6 70-210mm und der "Luxus"-Blitz Revuetron C35s mit verkauft. Die originalen Bedienungsanleitungen für die Kamera, das Tele-Zoom und das Blitzgerät waren auch dabei. Alles handlich verpackt in einer stabilen Tasche, die mir zum Mitnehmen zwar zu schwer, als Lagerort für Vintagekameras aber vorzüglich geeignet ist.

Ich bin so fest davon ausgegangen, dass alles funktioniert, ich hatte ein gutes Gefühl. Die Prüfung vor Ort war problemlos, auch nach der Grundreinigung zu Hause und den Trockenübungen funktionierte alles prächtig. Trotzdem war ich aufgeregt, die ersten Fotos auf dem Ilford FP4 aus der Revue AC4 SP zu sehen - voller Erfolg!

Die Kamera ist klein aber groß genug und liegt gut in meiner Hand, durch den Griff (in dem die 3 AAA-Batterien schlummern) lässt sie sich sehr gut halten, die Bedienelemente (und davon gibt es genug bei dem Oldtimer) liegen an den richtigen Stellen. Man hat sich schnell an die Bedienung gewöhnt, so dass es sofort Spaß macht, mit ihr zu fotografieren.

Kamera und Technik

Die Revue AC4 SP ist baugleich mit der Chinon CP5 TwinProgram.

Sie war 1985 eine hochmoderne Kamera mit vielen Features im leichten Kunststoffkleid. Im Foto-Quelle-Katalog von 1985 wurde sie zusammen mit dem 50mm-Objektiv für 648 DM angeboten - die teuerste Kamera 1985 bei Quelle. Im Katalog wurde sie z.B. mit folgenden Argumenten angepriesen::

  • Fotografieren mit Zeitautomatik ...
  • ... sich voll der Bildgestaltung widmen können ...
  • ... alles andere macht die "mitdenkende" Kamera ...
  • ... 2-Programm-Automatik ...
  • Anzeige der Belichtungszeit von 8s (!) bis 1/1000s und der Blende (über ein kleines Sichtfenster!) im Sucher
  • Messwertspeicher (Anm.: hat die Pentax MG nicht), Mehrfachbelichtungen, elektronischer Selbstauslöser, akustische Signale, manuelle Belichtung, Spotmessung (!) und, und, und.

Die baugleiche Chinon wurde mit diesem Flyer in Englisch (pdf-Format) seinerzeit beworben, dort kann man auch Einzelheiten zur Bedienung der Kamera lesen.

Die Zeitautomatik funktioniert gut, die manuelle Einstellung ist etwas fummelig, funktioniert aber bestens. Die Spotmessung ist sehr leicht anzuwählen, funktioniert auch, misst aber wirklich nur einen sehr kleinen Spot, was schnell zu Fehlbelichtungen führen kann (üben). Das Normalobjektiv ist optisch und haptisch etwas besser als mein 1,9er auf der SC2. Die beiden Zoomobjektive (früher noch Vario-Objektive genannt) sind sehr frühe Kandidaten ihrer Spezies, das 28-70 ist ein lichtstarkes Drehzoom mit Metallbody, schwer, lässt sich aber gut bedienen. War wohl beim Vorbesitzer das "Immerdrauf". Bei Streulicht auf die Frontlinse geht der Kontrast sehr in den Keller, eine Streulichtblende ist gekauft und montiert. Das Telezoom ist ein Schiebezoom, Bedienung für mich gewöhnungsbedürftig, manuelle Scharfstellung bei 210mm schwierig, dazu braucht man schon ordentlich Licht für 1/250s bei f5.6.

Die Kamera hat einen kaum merkbaren Spiegelschlag, ist sehr leise. Die Bildqualität schwankt logischerweise je nach verwendetem Objektiv, die alten Zooms sind als "ganz ordentlich" getestet, die nächste Tour wird nur mit den festen Brennweiten (28, 50 und 135mm) gemacht.

Links

Weitere Einzelheiten zu dieser Kamera sind im Netz kaum zu finden, hier einige Links:

Ohnehin ist über Revue-Kameras und -Objektive oder über Foto-Quelle sehr wenig im Netz zu finden. Wenn jemand weiterführende Informationen hat oder eine Seite im Netz kennt, bitte mitteilen.

Fazit

Die Revue AC4 SP ist eine sehr interessante Kamera. An die Stabilität, Präzision und auch die Bildqualität der Nikon F-501 mit den Nikkoren kommt die Revue-AC4-Kombi nicht heran, aber dafür ist es ein Erlebnis, die Technik zu beherrschen. Ist die Nikon ein leicht beherrschbarer Elefant, so ist die Revue wie ein junges, ungestümes Pferd (komischer Vergleich).
Die Revue AC4 SP ist der richtige Spielpartner für den mittlerweile erheblich angewachsenen PK-Objektivpark. Es macht Freude, mit ihr loszuziehen.

Und als nächstes bekommt sie eine Grundreinigung, damit sie wieder schick in Schale ist.


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